Bis heute, Samstag sind ca. 1200 Geflüchtete in Rostock angekommen, 900 davon sind über den Fährhafen weiter nach Schweden gereist, viele davon haben vor der Weiterfahrt längere Zeit in Rostock verbracht. Im folgenden ein Überblick über den gegenwärtigen Stand der Dinge in der Hansestadt.

Unterkunft im ehemaligen HWBR

Situation in der Notunterkunft Marienehe

Insgesamt sind heute 250 Geflüchtete in der Unterkunft in Marienehe untergebracht. Es sind permanent Helfer_innen vor Ort, um bei den anfallenden Arbeiten zu unterstützen. Die Geflüchteten sind selbst ebenfalls stark engagiert und übernehmen Aufgaben bei der Einrichtung der Unterkunft. Das gesamte Engagement ist in den ersten Tagen allein durch Freiwillige organisiert worden. Es fehlte an zuständigen Ansprechpartner_innen der Stadt, die tatsächlich Mittel/Personal zur Verfügung stellen können. Auch existenzielle Dinge, wie Trinkwasser(!), Hygieneartikel (Klopapier!) sowie Lebensmittel wurden von Freiwilligen bereitgestellt und finanziert. Die Hilfe der Stadt hängt in Ausschüssen fest, die sich erst konstituieren müssen. Im Durchschnitt hat jede_r der Freiwilligen bereits 50-100€ aus eigener Tasche reingegeben. Die Helfer_innen berichten aber auch jede Menge positive Erlebnisse über die gemeinsame Zusammenarbeit mit den Geflüchteten: „Von Angesicht zu Angesicht mit den Menschen, ist alles andere Egal und man macht einfach!“

Zu den Unterstützungsleistungen, welche in der Unterbringung zu leisten sind, gehört:
o Geflüchtete über die Situation informieren
o Zimmeraufteilung organisieren (menschenwürdig, z.B. Familien in einen Raum)
o Kleiderspenden sortieren und verteilen
o Essen ausgeben
o Kontakt zu den Behörden – Gesundheitsamt, Feuerwehr, …
o Fahrten zum Hafen organisieren, bzw. nachts vom Hafen zur HBWR

Regelmäßig gibt es einen großen Bedarf an:
o Hygieneartikel
o Kleider, insb. warme Kleidung, Schuhe, Rucksäcke & Beutel …
o Waschmaschinen, Trockner
o Leute, die psychosoziale und emotionale Unterstützung leisten (für Traumatisierte Personen)
o Medikamente, Ärztinnen und Ärzte
o Geld, um das alles zu organisieren
o Sowie Werkzeuge für Bauarbeiten

Weitere wichtige Hinweise von den Leuten aus Marienehe: SACHSPENDEN NUR IM JAZ ABGEBEN!

Die Situation heute am Hauptbahnhof

Jeden Tag kommen am Bahnhof mehrere Gruppen Geflüchteter an, die von Unterstützer_innen in Empfang genommen werden. Unter den Geflüchteten gibt es auch Kinder, die ihre Eltern auf der Flucht verloren haben.
Wir freuen uns über die vielen Spenden, würden die Bürger_innen aber bitten, diese zum JAZ zu bringen da dort die zentrale Verwaltung der Spendenmittel ist. Wir sind ständig auf der Suche nach Freiwilligen, die die Flüchtlinge in Empfang nehmen können. Dies ist nötig, da Vertreter der Stadt es anscheinend nicht für nötig halten vorbeizukommen und Unterstützung zu leisten.


Situation am Fährterminal heute, (Stand: 16 Uhr)

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Improvisierte Kinderspielecke im Fährterminal Rostock

Auf der Fähre, die zuvor aus Travemünde abgelegt hatte und nun von Rostock gen Schweden weiterfuhr befanden sich bereits 160 Geflüchtete. In Rostock sind heute dann auch noch einmal über 100 Personen auf Fähren gegangen. Insbesondere in den Morgenstunden war die Arbeit zeitweise sehr stressig. Gegen Mittag kamen dann viele Freiwillige in den Fährterminal, auch Spenden trafen ein. Ein genereller Wunsch bezüglich der Spenden wird sehr deutlich formuliert: Alle Sachspenden und Essensspenden für das Fährterminal IMMER vorher absprechen!!!
Am Hafen waren in den letzten 24 Stunden immer einige Übersetzer_innen. Gerade bei größeren Gruppen von Reisenden allerdings auch noch mehr Helfer_innen eine gute Unterstützung. Allgemein ist die Unterstützungsarbeit am Fährterminal von kurzen, sehr intensiven Phasen mit sehr hohem Koordinierungsbedarf geprägt, welche von längeren Phasen des Abwartens abgelöst werden. Generell ist wie überall in den Morgenstunden der Hilfsbedarf besonders hoch. Im Laufe des Tages pendelt sich dann die Routine ein.
Im Laufe des Tages kamen dann bis zum frühen Abend zunächst keine weiteren Menschen, die eine Fähre nutzen wollten. Grund sind die Proteste gegen die Nazihooligans welche in Hamburg aufmarschieren wollten. Morgen wird es einen neuen, veränderten Sonntagsfahrplan geben. Hinzu kommen voraussichtlich Ausfälle durch einen Schaden an einem Schiff der TT-Line.
Doch die Helfer_innen berichten auch auch sehr schöne Erlebnisse von gegenseitiger Hilfe. Einer der Geflüchteten ist spontan als Übersetzer für eine größere Gruppe von Reisenden eingesprungen. Die Stena – Line, bedankte sich daraufhin bei dem jungen Mann und bot ihm eine Einzelkabine an, um sich von diesen Unterstützungsarbeiten in Pausen auch erholen zu können.
Eine weitere Anekdote ist ein Beispiel von schneller und unbürokratischer Hilfe. Anders als die Stadt Rostock, von deren Aktivitäten die freiwilligen Helfer_innen am Stadthafen nicht sehr viel mitbekommen, hat die Stadt Laage schnell und unbürokratisch geholfen. Eine halbe Stunde nach dem Anruf aus Laage, trafen zahlreiche medizinische Spenden am Fährterminal an. Beim Erzählen dieser Erlebnisse beginnen die Gesichter der Helfer_innen, denen die Anstrengung der letzten Tage anzusehen ist, aufzuleuchten.

Pressekonferenz im JAZ Rostock

Am Abend fand im JAZ Rostock eine kleine Pressekonferenz statt. Aktivist_innen berichteten von den verschiedenen Orten an denen Hilfe geleistet wird. Dabei wurde auch starke Kritik an den Behörden in der Stadt und im Bundesland geübt. Von deren Aktivitäten haben viele der freiwilligen Helfer_innen seit Tagen nichts mitbekommen. Besonders emotional wurde das Gespräch als die Situation in der gestrigen Nacht zur Sprache kam. Mitten in der Nacht wurden im MAU Club sowie im Peter Weiss Haus Notunterkünfte eingerichtet. Dabei mussten auch Kleinstkinder im MAU übernachten.

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Pressekonferenz im JAZ Rostock

Ortsbeirätin der Kröpeliner Tor Vorstadt, Anette Niemeyer äußerte: „Ich dachte, wir hätten hier in Rostock mit unserer Geschichte den Konsens, nie wieder Flüchtlinge ohne Schutz auf der Straße leben zu lassen. Wenn ich mir die letzen Tage ansehe, bin ich mir nicht sicher, ob das alle so sehen.“ Bei aller Kritik an der Stadtpolitik wandte Bürgerschaftsabgeordnete Susi Wolf jedoch auch ein: „Es geht ja nicht nur darum, nur auf der Stadt herumzuhacken. Ich mein, wir sind ja auch die Stadt. Wir sind ja Rostock. Und es ist sehr schön zu sehen, dass wir das alles hinbekommen, ohne eine Leitung von Oben, einfach als Menschen die zusammenarbeiten.“