Wer sich öfter in der KTV bewegt, dem ist bestimmt schon der etwas andere Marktstand vor einem der großen Supermärkte im Stadtteil aufgefallen: Hier kaufen die Kund*innen nichts, sie geben etwas ab, nämlich Lebensmittel, Hygieneartikel, Wasser, und andere Dinge, die am Bahnhof oder Terminal für die Versorgung der Geflüchteten gebraucht werden.

 Seit 10 Wochen stehen jeweils zwei Menschen jeden Tag 6 Stunden hinter einem kleinen improvisierten Stand und verteilen „Einkaufszettel“ an Leute, die eigentlich ihren eigentlichen Bedarf decken möchten. Sie sammeln Spenden für „Rostock hilft“. Das Prinzip ist ganz einfach: Zum Beispiel eine Packung Taschentücher extra kaufen und in den Einkaufskorb neben dem Stand werfen. Was aktuell benötigt wird, ist in großen Lettern zu lesen. Die Crew sucht aktuell Verstärkung.

Einige der Vorbeieilenden kennen das Prinzip und fragen nur hastig: „Was braucht ihr denn heute?“ „Dasselbe wie immer, aber ganz aktuell gerne Brot und Käse für die Schmierstraße!“ „Ach Schmierstraße? Was ist das denn?“, und schon entsteht ein kurzes Gespräch und Infos über die Versorgung der ankommenden Geflüchteten am Hauptbahnhof gehen über den Tresen. Am Stand wird nicht nur Ware eingesackt, auch öfter mal Infos verbreitet.
Hauptsächlich kommen die Spenden von jungen Menschen und Familien. Generelle Urteile über die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung möchte XX von der Stand-Crew nicht anstellen: „Wir stehen hier ja in der KTV. Das ist bestimmt was anderes als diese Aktion in einem weniger finanzkräftigen Viertel zu starten. Das Publikum ist eher studentisch und von jungen Familien geprägt.“
Das Tages-Soll liegt bei vier vollen Einkaufswägen. „Team Terminal und Bahnhof geben ab und an Rückmeldung: Die Spenden, die hier mal losgefahren sind in Richtung der Geflüchteten kommen dort an und die Leute freuen sich darüber.“
Negatives Feedback zum Stand nimmt die Crew gelassen auf: „Klar kommen auch mal blöde Sprüche, einige sind total skurril. Z.B. warf mir einer mal entgegen: „Wenn du arbeiten würdest, müsstest du nicht betteln!“ Da hat er wohl beim Pöbel-Memory die falsche Karte aufgedeckt. Außerdem sind wir hier Schuld, wenn den Deutschen das Essen ausgeht, weil die Geflüchteten alles bekommen und falls in Deutschland Bürgerkrieg ausbricht, liegts auch an diesem Stand. Ihr seht: Eine Aufgabe mit enormer gesellschaftlicher Tragweite, die wir hier machen.“
Fürdie kalten Wintermonate sucht das Team am Stand Verstärkung. Derzeit könnt ihr unter der Woche zwischen 16 und 22 Uhr Dinge einkaufen und gleich wieder abgeben. Am Wochenende zwischen 14 und 22 Uhr. Das soll auch so bleiben, nur dass die Schichten zweigeteilt werden sollen. „Es wird ganz schön kalt hier! Da machts schon einen Unterschied, ob du drei oder sechs Stunden stehst.“ Wer es sich vorstellen kann, mal reinzuschnuppern oder längerfristig mitzuhelfen, kann einfach die Leute am Stand ansprechen. Oder ihr ruft beim Infotelefon an und hinterlasst eure Nummer. Ab heute gibt es außerdem einen Schichtplan für den Stand, wo ihr euch eintragen könnt.
„Trotz Kälte und gelegentlicher blöder Kommentare, macht das hier wirklich Spaß: Die Leute, die spenden, gehen mit einem Lächeln an dir vorbei. Man führt immer wieder interessante Gespräche und trifft vieleLeute. Ich kann den Job nur empfehlen.“
Wenn ihr jetzt lust habt mitzumachen, meldet euch am besten per WhatsApp beim Info-Telefon, damit wir euch zur Spendensammel-WhatsApp Gruppe hinzufügen können.